willkommen im ausland

nach monatelangem nicht-raus-dürfen, fühlt sich selbst passau exotisch an. es fühlt sich so anders an & ich rechne mit allem. mit allem strengsten. der schengenraum hat mein vertrauen verloren und als ich die polizei beim aussteigen sehe, möchte ich sofort meinen wieder gefundenen pass zücken. doch nein, es ist bloß ein freundlicher hinweis, die maske vor mund & nase anstatt hals zu geben. und gleich darauf läuft im bayrischen radio falco & bob marley.

außerhalb der so gefährlichen bahnhofszone sehen menschen mein lächeln dann auch und ich sehe viele, innige umarmungen.

willkommen.

privileg zeit & geld

wenn ich es mir aussuchen könnte, hätte ich gerne einen balkon. mit pflanzen, ein klein bisschen aussicht und schatten. die füße mögen es nicht warm, sondern angenehm kühl, genauso wie der restliche körper. im winter, wenn es wirklich kalt wird, wäre ein wintergarten nett, wo zitronenmelisse und kumquat wächst und es angenehm warm ist. da sitze ich dann, trinke wasser mit geschmack und schreibe weitere fenstergeschichten.

loben und schimpfen

der hund hat gebellt und ich weiß, ich muss ihn sofort loben, auch wenn es für die spaziergeher*innen* als unhöflich empfungen werden kann, wenn von links ein welpe bellt und von rechts ein “braaav” in lieblicher stimme kommt.

ich will eiswürfel holen und finde bloß großes chaos. nichts ist so wie es sich gehört. wie ich es gehören mag. wie es mir gehört. und möchte am liebsten gleich schimpfen. heute aber ist ein guter tag, der hund hat zum ersten mal gebellt!, und da ist schimpfen einfach nicht drin.

side b(e)

ich betrete fremden grund. nicht nur betrete ich ihn, sondern gehe auch noch que(e)rwaldein. ich überlege, wie man „que(e)rwaldein“ auf englisch übersetzen könnte… aber wem soll ich das auf englisch erzählen? ich mache das ja für mich! und ich verstehe ohnehin deutsch. zum glück.

side a

sie ist auf meinem grund. sie ist dort nicht nur, sie liegt. während sie dort liegt und entspannt, hat sie sogar ihre schuhe ausgezogen. zum glück. denn dann kann sie nicht davonlaufen, wenn ich sie schnappen will.

oder, ich habe ihre schuhe.

die meschheit ist ein fluch

jetzt habe ich eine frau gesehen. links von mir. sie geht rauf und ich bin verunsichert. ich bin also nicht alleine hier. und weil ich verunsichert bin, schreibe ich. egal was.

eines nach dem anderen

ich habe in die zukunft investiert. und ich habe wirklich an mich geglaubt. ganz darauf vergessen, grabe ich heute die vielen, leeren seiten wieder aus. und fange an, sie zu befüllen. für die zukunft.

bräunen im winter

ich liege halbnackt in der prallen sonne. neben mir stehen dünne sträucher – ohne grün, ohne bunt – und schützen mich nicht vor fremden blicken. ich kann so schon nicht gut schätzen, aber ohne brille noch weniger, ob mich die wandernden menschen beobachten oder nicht. ich hoffe nicht. trotzdem wundert es mich, dass zwei unter 5-menschen-nicht-gruppierungen seit einigen minuten bloß herum stehen und in meine richtung schauen.

unter dreißig

der gute mix hat seine arbeit getan. zuhause, unterwegs und auch im stern. vor allem im stern. heute macht er seine arbeit in der selbstisolation. (hoffentlich bald wieder unter mehr menschen.)